„Kirche soll unpolitisch sein!“
„Kirche soll unpolitisch sein!“ Diesen Satz höre ich derzeit oft. Und ja: Kirche ist keine Partei und gibt keine Wahlempfehlungen. Und dennoch: Unpolitisch kann und darf sie nicht sein.
Denn wo es um Menschen geht, geht es immer auch um das Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Schon die Propheten der Bibel erhoben ihre Stimme gegen Ungerechtigkeit. Jesus stellte sich an die Seite der Ausgegrenzten und Schwachen. Seine Botschaft der Nächstenliebe war nie nur Privatsache.
Christlicher Glaube ist weit mehr als Gottesdienst am Sonntag. Er zeigt sich dort, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen. Deshalb muss Kirche sprechen, wenn Demokratie unter Druck gerät, Menschen ausgegrenzt werden oder Hass das Miteinander vergiftet. Nicht weil sie weiß, wen man wählen soll, sondern weil sie weiß, wofür sie steht: für die Würde jedes Menschen, für Vielfalt und Gerechtigkeit. Und sie bleibt ihrem Auftrag treu, wenn sie daran erinnert: Jeder Mensch ist ein Ebenbild Gottes und verdient Respekt, Schutz und die Chance auf ein gutes Leben.
Kirche ist in dem Moment politisch, wenn sie für Menschlichkeit eintritt, Brücken baut und Verantwortung übernimmt. Das war sie schon immer. Und das wird sie auch immer sein. Und das ist keine Parteinahme. Das ist gelebter Glaube.
Sebastian von Gehren,
Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Plön-Segeberg