Ev. - Luth. Kirchenkreis Plön-Segeberg

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Adventskalender im September

„BOAH, ernsthaft?“ entfährt es mir, als ich den Drogeriemarkt betrete. „Adventskalender im September? Das ist echt nicht normal!“
Ich bin mit meinem Sohn einkaufen. Gerade noch haben wir überlegt, wie wir unser Zuhause herbstlich schmücken wollen und nun das: Adventskalender im September. Und natürlich Lebkuchen.
Ich merke diesen Kampf in mir: Zwischen „Es ist doch noch nicht mal Herbst!“ und der rebellischen Pippi-Langstrumpf-Stimme, die sagt: Man kann doch Lebkuchen essen, wann man will.
Warum stört es mich also?
Alles hat seine Zeit. So heißt es in der Bibel. Heilen, bauen, weinen, lachen. Alles hat seine Zeit. Vieles ist schön, aber Manches wollen wir nicht und können uns trotzdem nicht entziehen. Manchmal kommt das Herz nicht mit, wo Veränderung uns überrennt, wo Unumgängliches geschieht, auch Schlimmes. Dann wollen wir die Zeit anhalten oder zurückdrehen. Dafür ist der spätsommerliche Lebkuchen nur ein ganz kleines Beispiel.
Alles hat seine Zeit, das heißt aber auch: Alles hat einen Raum, alles darf sein und zwar im je eigenen Tempo.
„Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, nur dass wir Gottes Werk nicht ergründen können, weder Anfang noch Ende.“ Mit dem Herzen mitkommen, das bleibt schwierig. Woran ich aber glaube ist das: Gott hat die Ewigkeit in unser Herz gelegt (Kohelet 3,11). Nichts geht verloren, selbst wenn es vorbei ist. Keine Erinnerung und keine*r von uns.
„Mama, ich finde, jede Jahreszeit ist besonders“, sagt mein Sohn abends altersweise. Ich finde, er hat Recht. Alles hat seine Zeit. Manchmal ist das Herz nur langsamer als der Wandel. Vielleicht hilft da ein Stück Lebkuchen. Ich werde es probieren.

Pastorin Dr. Donata Cremonese, Kirchengemeinde Segeberg