Anhalten
Neulich auf dem Ostring in Kiel: Ich bin unterwegs mit einem eng getakteten Zeitplan. Doch dann komme ich plötzlich zum Stehen. Es gibt kein Vorwärtskommen mehr – doch nichts ist zu sehen. In mir steigt der Ärger hoch. Warum fahren die bloß nicht? Die Uhr läuft und alles steht still. Doch dann tauchen plötzlich zwei Entenfüße auf. Und nicht nur zwei, eine ganze Entenfamilie wandert von einer Straßenseite auf die andere. Die Unruhe in mir weicht. Das Anhalten ist jetzt kein Störfaktor mehr.
Nicht nur beim Autofahren – auch im Beruf, in der Schule, in Freundschaften oder beim Einkaufen begegnen uns manchmal solche Haltemomente. Nicht immer sind sie uns willkommen. Manchmal hilft Anhalten, um die Welt mit anderen Augen zu sehen. „Wenn ihr Ruhe bewahrt und Vertrauen habt, seid ihr stark.“ – genau davon erzählt Gott in Jesaja 30,15. Was wäre, wenn Gott manche Unterbrechung nutzt, um den Blick zu weiten?
Anhalten hilft mir, Entscheidungen abzuwägen, umzukehren oder mein Herz zu öffnen. Und dann taucht etwas auf, das mir verborgen war. Nicht unbedingt immer eine Entenfamilie, aber vielleicht doch etwas, wofür es sich anzuhalten lohnt.
Pastor Benjamin Pohlmann, Ev.-Luth. Kirchengemeinde Raisdorf / Schwentinental