Liebe üben
"Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott." (Micha 6,8)
„Warum gibt es in jeder Stadt die Polizei?“, fragt mein kleiner Sohn mich. „Gibt es denn so viele Diebe?“ Ich komme in Erklärungsnot, denn ich gebe zu, ich habe ihm noch nicht die volle Wahrheit darüber erzählt, wozu wir Menschen fähig sind: zu hassen, zu verletzen, zu neiden, zu morden.
„Äh“, sage ich etwas unbeholfen, „falls mal was passiert.“ Nicht unbedingt eine pädagogische Glanzleistung.
Was ist gut? Was ist böse?
Der Prophet Micha lässt es ganz leicht klingen : Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor Gott, das ist alles, was es braucht.
Warum gibt es dann die Polizei? Tja, es ist eben doch nicht so einfach.
Die Welt brennt. Und es wird nicht besser, es wird immer nur schlimmer. Obwohl wir uns eigentlich schon kaum noch vorstellen konnten, dass das überhaupt geht: noch schlimmer.
Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist.
Es ist schwer auszuhalten dieser Tage. Zu sehen, dass wir es nicht hinkriegen. Zu sehen, wozu wir fähig sind: zu hassen, zu verletzen, zu neiden, zu morden.
Ich gebe zu, ich habe meinem Sohn noch nicht die volle Wahrheit darüber erzählt.
Aber ich hoffe und bete dafür, dass er erfährt, was uns Menschen auch möglich ist: zu vergeben, zu schenken, zu teilen, zu lieben.
Es ist in uns. Dazu hat Gott uns geschaffen. Daran will ich trotz allem glauben.
Pastor Felix Cremonese, KG Segeberg