Verlieren und Finden
Mit den Jahren wird man ja vergesslicher. Jedenfalls mir geht es so. Immer wieder verliere ich etwas, vergesse, wo es ist. Und wenn es eilt, dann ist es am schlimmsten. Kurz vor dem Gottesdienst – wo habe ich bloß die Lesebrille hingetan? Morgens, wenn es zur Teambesprechung geht – der Kalender hat doch gestern noch hier auf der Kommode gelegen!? Wer hat mein Handy gesehen? Und wenn ich dann die Brille, den Kalender, das Handy, oder was es grad auch war, unverhofft und rechtzeitig doch noch wieder gefunden habe: Erleichterung, Freude, manchmal schon fast Seligkeit. Zumindest mein Gesichtsausdruck sähe danach aus, sagt meine Frau.
Aber was ist, wenn es mit den Jahren schlimmer wird? Wenn das Telefon im Kühlschrank liegt, das Brot im Kleiderschrank? Ich nicht mehr weiß, was gestern war, und wer diese Frau ist, die behauptet meine Frau zu sein? Was ist, wenn ich meine Erinnerungen verliere – was ist, wenn ich mir selbst verloren gehe?
Jesus Christus spricht:
Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen
und selig zu machen, was verloren ist.
Auch wenn ich mir selbst verloren gehe: Jesus, der Menschensohn, er kommt und sucht mich. Auch wenn ich meinen Namen nicht mehr weiß: Gott kennt mich beim Namen. Auch wenn mir alles verloren geht, ich mich überhaupt nicht mehr zurechtfinde:
Gott findet mich. Gott macht mich selig.
Das tröstet mich. Das gibt mir Kraft für den Alltag.
Das vergess ich - hoffentlich! – nie.
Thomas Meyer, Pastor im Vertretungsdienst