Ev. - Luth. Kirchenkreis Plön-Segeberg

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3500 Menschen demonstrieren in Plön für Demokratie

Beindruckendes Statement gegen Rechtsextremismus

3500 Menschen fanden am Sonntag, 11. Februar, in Plön vor der Nikolaikirche zusammen, um gemeinsam ein deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen. Ein breites Bündnis aus mehr als 70 Organisationen, Kirche, Vereinen, Verbänden und politischen Parteien hatte aufgerufen, sich der kreisweiten Demonstration anzuschließen. Die Veranstalter hatten mit ungefähr 1000 Teilnehmenden gerechnet, mehr als dreifach so viele waren am Ende gekommen. Als Redner traten Kreispräsidentin Hildegard Mersmann, Propst Erich Faehling und die Vertreter der Kreisschülerschaft, Sina Rathje und Bo Nauer, auf. Im Anschluss an die Ansprachen zog der Demonstrationszug friedlich durch die Plöner Fußgängerzone und über die B76, die eine halbe Stunde lang für den Autoverkehr gesperrt war.
Die Organisatoren zeigten sich hochzufrieden mit der Veranstaltung: „Wir sind dankbar und begeistert, dass die Aktion einen so enormen Anklang gefunden hat“, sagte Charlotte Reimann, die als Projektleiterin des Freiwilligenzentrum im Diakonischen Werk des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Plön-Segeberg die Demonstration federführend organisiert hatte. „Es ist ein ermutigendes Signal, dass all diese Menschen gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus und für Toleranz und Demokratie den Weg nach Plön gefunden und so eindrucksvoll, lautstark, aber jederzeit friedlich ihre Meinung in die Öffentlichkeit getragen haben.“

 

Die Rede von Propst Erich Faehling im Wortlaut:

Liebe vielfältige und bunte Menschen hier in Plön,

ich bin froh, dass Sie und Ihr hier seid.
Und ich bin froh, dass ich dabei sein darf.

Vor allem eine Sache ist mir in den letzten Wochen immer wieder begegnet, und damit möchte ich beginnen:
Ich wünsche mir, dass wir alle uns von unseren Kindern und Enkeln fragen lassen können: Was hast Du damals gewusst? Und:
Was hast Du getan?
Und ich möchte, dass wir dann Antworten geben können.

Wir wissen, schon lange und jetzt nochmal ganz genau: Es gibt Menschen und politische Kräfte in unserem Land, die die unantastbare Würde des Menschen antasten wollen. Es gibt Menschen, die die Gleichheit aller verneinen und die Buntheit der Gesellschaft bekämpfen. Es gibt Menschen, die rassistisch, antisemitisch und menschenverachtend argumentieren und auch so handeln oder es planen..

Ich glaube, ihr Grund dafür ist Furcht. Sie fürchten das Fremde, den Wandel, den gänzlich Anderen. Sie denken klein und einsam. Würden wir ihrer Furcht und ihrem daraus resultierendem begrenzten Denken folgen, würde das unser Land und unsere Gesellschaft arm und kalt machen.
Wir aber brauchen den Reichtum der Vielfalt. Wir brauchen den Reichtum des kulturellen Wissens und Gewissens der Welt. Und wir brauchen die Freiheit, daraus eine vielfältige, würdevolle und die Menschenrechte schützende Gesellschaft zu gestalten.

Dazu braucht es keine Alternative, und ganz gewiss keine für Deutschland.

Zu lange haben wir dem Treiben am rechtsextremistischen Rand unserer Gesellschaft zugeschaut; haben gedacht, das würde sich geben; waren mit uns selbst beschäftigt; haben den politischen Job anderen zugeschoben; und unsere massive Kritik an ihnen haben wir gleich mitgeliefert.

Aber das geht so nicht.
Ein Land ist nicht so gut, wie seine Politikerinnen.
Politikerinnen sind so gut wie das Land und seine Menschen.
Mit anderen Worten, jede und jeder von uns trägt die ganz eigene Verantwortung am Gesicht dieses Landes und dieser Welt. Wie das immense Meer nichts wäre ohne jeden einzelnen Tropfen, ist die Welt nichts ohne jeden einzelnen Menschen.

Wir zitieren so gerne Martin Luther King und sein „I have a dream“.
Ja, er gab Anstoß, aber erst durch die Millionen, die seinem Aufruf folgten, vollzog sich eine gewaltlose Revolution.
So braucht es uns, jede Einzelne und jeden Einzelnen, den Traum einer würdevollen und gleichberechtigten, einer offenen und toleranten, einer friedlichen und standhaften Gesellschaft Gestalt zu geben.

Wir haben Vorbilder dafür.
Ich folge Dietrich Bonhoeffer, den die Nazis ermordeten und seiner Idee, dem Rad der Geschichte in die Speichen zu fallen.
Ich schaue auf Jitzchak Rabin, den ein nationalistischer Extremist ermordet hat, und der zusammen mit Jassir Arafat 1994 den Friedensnobelpreis erhielt.
Und ich folge dem Sportjournalisten Marcel Reif, der vor zwei Wochen im Bundestag die Maxime seines von den Nazis verfolgten Vaters zitiert hat:
„Sei ein Mensch“.

Ich folge Vorbildern, finde an ihnen Halt und bilde meine eigene Haltung.

Die Herausforderungen unserer Zeit sind groß:
Klimawandel, Fragen der weltweiten Migration, der zerbrechende Friede in Europa und anderen Teilen der Welt, Corona, wie sie uns die Zerbrechlichkeit einer modernen Gesellschaft gezeigt hat und nicht zuletzt all die Fragen einer gerechten Verteilung der materiellen Güter in der Welt.
Ich begegne immer wieder Menschen, die vor den Fragen fliehen wollen; den Kopf in den Sand stecken, sich in einfache Wahrheiten flüchten und sogar in die Gewalt.

Stattdessen gehört zu meiner Idee vom Menschsein der lange Weg aus vielen einzelnen Schritten durch jede einzelne Herausforderung hindurch, friedlich, hoffnungsvoll, liebevoll, und da bin ich ganz fromm – Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei.

Ich habe nicht nur ein politisches Bekenntnis, dass sich an unserem Grundgesetz orientiert, ich habe auch ein christliches Bekenntnis, das glaubt, es gibt ein Leben danach – auch jetzt schon nach jeder einzelnen Krise, und sei sie noch so groß.

Und übrigens, auch Martin Luther King hat all seine Träume und sein Handeln auf dieses Bekenntnis gebaut.

Wir sind hier.
Wir haben die Spirale des Zusehens und des Schweigens durchbrochen – wie gut!
Wir sind laut.
Wir tragen Verantwortung.
Jede und jeder Einzelne ist wichtig.
Zusammen werden wir etwas bewegen.
Hass ist keine Option.
Das lass die Alternative übernehmen.

Uns rufe ich zu:
Sei ein Mensch,
Nie wieder ist jetzt und hier und jeden neuen Tag.


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