Ev. - Luth. Kirchenkreis Plön-Segeberg

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Gott nimmt die Welt in die Hand

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.

Die Predigt als Videoansprache (hier klicken)

Liebe Gemeinde!

Wie geht das, wenn zwei sich streiten?
Ganz einfach: Einer gibt nach, der andere auch. Nach und nach, Schritt um Schritt gehen zwei aufeinander zu. Und irgendwann schließen sie Frieden schließen und geben sich die Hand.
Die Hand geben? Na, das war wohl vor Corona.
Werden wir uns jemals wieder die Hand geben? Es gibt Menschen, die das fragen.

Heute ist Karfreitag. Vor 2.000 Jahren starb Jesus. Er war Gottes Sohn, so glauben wir. Das Kind Gottes ans Kreuz genagelt. Jeder würde ausrasten, wenn das mit seinem Kind geschieht.
Und niemand von uns weiß, ob Gott nicht kurz davor war, auszurasten. Ob nicht der Schöpfer am liebsten die ganze Welt in die Tonne getreten hätte für diese Tat.
Er hat es nicht getan. Kein Mensch weiß, wieviel Kraft ihn dieser Verzicht auf Rache gekostet hat. Und an wem hätte Gott denn auch Rache üben sollen? An Judas, dem verplanten Heißsporn? An den Jüngern, den verschlafenen Wegbegleitern? An den Pharisäern, den religiösen Rechthabern? Da waren zu viele. Eigentlich hatten alle mitgewirkt. Zum Verzeihen braucht man doch jemand, der sagt: Es tut mir aufrichtig leid. Gott fand keinen, der das sagte. Und trotzdem konnte er seine Liebe zu den Menschen nicht aufgeben.
Und so tat er etwas, was ich so nur von Gott kenne. Paulus schreibt das in einem seltsamen Satz: Gott versöhnte die Welt mit sich selbst. Als hätte er sich selbst zum Frieden die Hand gereicht. Gott nimmt die Welt in die Hand.

Es ist wie damals in Bethelem. Da hat Gott den Menschen sein Kind geschenkt. Das hat er auch allein gemacht. Jetzt geht er den Weg zur Versöhnung allein. Erst einmal, im ersten Moment. Und so geht die Tür auf. Gott wärmt den eiskalten Zorn durch seine Liebe solange auf - bis es Frühling wird.
Und so wird Ostern.
Gott räumt einen viel größeren Stein weg als diesen.

Das Grab ist nun offen. Und seitdem alle Gräber.
Da, wo eben noch der Tod war, sind jetzt Engel. Und wo es eben noch nach Rache roch wie Schwefel und Feuer, wird eine leuchtende Einladung ausgesprochen:
Lasst euch versöhnen mit Gott.

Was für ein Kräftespiel ist da passiert! Die Natur erinnert mich daran, jetzt, wo wir die erste laue Frühlingsluft gespürt haben. Die Sonne scheint. Sie zieht uns nach draußen. Winter und Dunkelheit sind vorbei. Wir haben den schietigen Winter überstanden. Die Natur blüht auf. Und wir wollen ihr folgen.

Der Karfreitag sagt in diesem Moment zweierlei.
Er sagt: Ja! So kommt es. Gott wird das Leben siegen lassen.
Er sagt aber auch: Um das Grab, um die Dunkelheit, um den Zorn des Lebens kommen wir nicht herum. Gott weicht selbst nicht aus.
Er steht durch. Und so werden wir das auch schaffen.
Und was auch geschieht zwischen Jubel und Verrat, zwischen Tod, Scheitern und Auferstehung: Kein Moment ist ohne Gott. Gott ist da. Der, der mit sich selbst Frieden schließt – Gott ist an unserer Seite.
Und das gilt auch in der heutigen Not. Das gilt für das Leben.

Wir gehen einen Weg. Den Weg, den wir in diesen Tagen gehen, ist unsere Generation noch nie gegangen. Aber selbst in dieser Krise gilt genau dieser Friedensschluss Gottes mit sich selbst.
Das Leben wird gewinnen, durch die schwere Zeit hindurch.

So wird wieder Leben sein. Für Gott sogar durch den Tod hindurch.
Der alte Text der Bibel hat dafür heute folgende Worte:

Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. 20 So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!

Hand geben geht gerade nicht.
Aber Versöhnung geht – immer.
Durch die Krise hindurch kommen wir neu ins Leben.
Das ist sicher. Gerade dieser unsicheren Zeit.
Amen.

Erich Faehling, Propst

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