Freitag, 12. Dezember 2025
Er stank. Und nun saß er neben mir im Bus. Ungekämmt. Schmutzig. Mit Plastiktüten. Und er stank. Unangenehm. Penetrant. Schrecklich.
Aber war es wirklich er, der stank? Oder ist es nicht viel mehr eine Gesellschaft, die es versäumt, alle abzuholen und mitzunehmen? Ist es nicht viel mehr eine Gesellschaft, in der Algorithmen es schaffen, Männer gegen Frauen, hier geborenen gegen Hinzugezogene, Arme gegen Reiche aufzustacheln?
Er stank. Er war nur mit Kamelhaaren bekleidet. Und obwohl er am Jordan taufte, war ihm Körperhygiene egal. Johannes der Täufer stank gegen die Mächtigen an. Er war unangenehm, penetrant, schrecklich.
Aber war es wirklich er, der stank? Oder war es nicht viel mehr eine Gesellschaft, in der Gottes Liebe von Eliten manipuliert wurde? War es nicht viel mehr eine Gesellschaft, in der man versuchte, Gottes allumfassenden Souveränitätsanspruch zu entthronen?
Es ist Advent. Köstlicher Duft durchdringt unsere Häuser: Zimt, Tannen, Glühwein. Es riecht angenehm, süß, schön. Aber ist das Wirklichkeit? Oder wollen wir mit diesen Gerüchen etwas übertünchen? Nebeln wir uns ein, um dem zu entfliehen, was in unserem Leben unangenehm, penetrant, und schrecklich ist?
Aber das macht es nicht besser. Und vielleicht braucht es deshalb deftige Gerüche, um zu uns durchzudringen. Vielleicht braucht es vor allem den Gestank voller Windeln des Kindes in der Krippe, um unsere Sinne und unseren Verstand zu öffnen: für eine in sich versöhnte Welt und für mit Gott versöhnte Seelen.
Pastorin Anett Penner, Kirchengemeinde Leezen