Montag, 8. Dezember 2025
Zugegeben: meine Stiefel waren wieder einmal nicht sonderlich geputzt, als ich sie vorgestern Abend vor die Tür stellte. Und dann am Morgen die Überraschung: sie waren doch wieder gefüllt mit Obst, Hüftgold und einem Mini-Kalender fürs nächste Jahr. Dem Nikolaus sei Dank! Dem Nikolaus, diesem Heiligen, ja Überheiligen, Legenden umwobenen Bischof, diese Verschmelzung zweier Personen zu einer fiktiven Figur, wie man nachlesen kann, hochverehrt nicht nur in der orthodoxen Kirche. Bei uns in früheren Zeiten als erhobener Zeigefinger: „warst du denn auch schön brav?“, mittlerweile ein bisschen verkommen zum Geschenkebringer und als kitschige Werbefigur. Verehrt wird er immer noch als Retter, der Seeleuten aus Seenot half, Unschuldige vor der Hinrichtung bewahrte und Gefangene befreite. Die Liste seiner wundersamen Taten ist lang. Und natürlich liebt er besonders die Kinder. Und die lieben ihn, denn die Stiefel sind in der Regel gut gefüllt. Auf diesen Nikolaus ist Verlass. Dieser gütige Bischof, nahe bei den Menschen, mit dem Blick für ihre Not, der Hungernden zu essen gibt und Tote auferweckt, der lässt mich träumen von einer Welt, in der das Gute siegt, in der die Schwachen aufgehoben und die Einsamen besucht werden. Er berührt meine Sehnsucht nach Gerechtigkeit, nach Liebe und nach Frieden. Und er fordert mich heraus, mir Gedanken zu machen, wem ich denn vielleicht eine kleine Freude bereiten könnte. Und dann mache ich mich auf den Weg und werde selber zum Nikolaus. Stiefel, die darauf warten gefüllt zu werden, gibt es schließlich mehr als genug.
Gerhard Pfau, Pastor im Kirchenkreis Plön-Segeberg